Tour de France: Daten, Fakten & Wissenswertes

Über 100 Auflagen. Meist 20 Einzeletappen. Eine Gesamtlänge von über 3000 Kilometer. Die Tour de France besteht bereits seit 1903 und ist das berühmteste und bedeutendste Radrennen der Welt. Doch was bedeutet Peloton? Und warum tragen manche Fahrer auffällige Trikots? In unserem Glossar erklären wir euch wichtige Fachbegriffe, erläutern Fakten und erzählen etwas zu der Geschichte der „Grande Boucle“.


Entstehung:

Die Tour de France war 1903 die Erfindung des Journalisten Géo Lefèvre der Sportzeitung L’Auto. Am 01. Juli 1903 stiegen 60 Teilnehmer auf den Sattel und sorgten auf der knapp 2428 km langen Tour für Begeisterung. Bis zu seinem Tod übernahm der Chefredakteur der Zeitung, Henri Desgrange, den Posten des Tour-Direktors.

Teilnehmer:

Die Tour de France wird seit 1969 durch gesponserte Profimannschaften bestritten. Derzeit werden jährlich 21 bis 22 Profimannschaften mit je 9 Fahrern zur Tour de France eingeladen. Davon sind 18 sogenannte UCI WorldTeams (das sind nach den UCI-Richtlinien Teams mit dem Recht und der Pflicht zur Teilnahme), die restlichen Mannschaften wählt der Veranstalter aus dem Kreis der Professional Continental Teams aus. Die meisten Teilnahmen hatten der Deutsche Jens Voigt, der Amerikaner George Hincapie und der Australier Stuart O’Grady mit je 17 Starts.

Etappen:

Die meist 20 Etappen zeichnen das französische Hexagon nach, die Streckenführung und Etappenorte wechseln jährlich. Nach den Dopingskandalen 1998 wurden die Tagesetappen auf 150 bis 250 km reduziert, dabei wird vergleichsweise selten in dem Ankunftsort des Vortags gestartet und es erfolgen Transfers nach vielen Etappen. Großstädte werden – um Verkehrsstaus zu vermeiden – eher vermieden, trotzdem ist Paris der mit Abstand meist frequentierte Etappenort.

Berge:

Die Gesamtwertung der Tour entscheidet sich neben dem Zeitfahren vor allem im Hochgebirge. Einige Berge und Pässe stehen so wie der Col du Tourmalet (Pyrenäen) oder der Col du Galibier (Alpen) immer wieder im Programm. Die Berge werden je nach Länge und Steigung in 5 Bergkategorien eingeteilt und nach Punkten bewertet. Die schwierigste Bergetappe der Tour wird traditionell Königsetappe genannt. Der nach Bergwertung führende das Gepunktete Trikot.

Trikots:

Eine Besonderheit der Tour de France sind die farblich abgehobenen Trikots, die die besten Fahrer verschiedener Wertungen kennzeichnen. Erhält ein Fahrer mehrere dieser Wertungstrikots, trägt er das mit der höchsten Wertung. Der Fahrer mit der geringsten Gesamtzeit trägt das berühmte Gelbe Trikot (le maillot jaune) des Führenden der Gesamtwertung, das bereits 1919 eingeführt wurde. Das Grüne Trikot (le maillot vert) wird seit 1953 an den nach Punkten führenden Sieger vergeben. Die Punktebewertung ergibt sich dabei aus addierten Punkten, die aus Etappenankünften oder Zwischensprints resultieren. Seit 1975 erhalten die führenden Fahrer nach Bergwertung das Gepunktete Trikot (le maillot à pois rouge). Es wurde ursprünglich von der Schokoladenfabrik Menier gesponsert, deren Schokolade in weißem Papier mit roten Punkten verpackt war. Das Weiße Trikot (le maillot blanc) erhalten Fahrer bis 25 Jahren mit der besten Nachwuchswertung.

Rückennummern:

Neben den Trikots dienen auch Rückennummern der Kennzeichnung bestimmter Fahrer. Die Rote Rückennummer wird nach jeder Etappe an den „kämpferischsten Fahrer“ vergeben. Eine Auszeichnung, die eine Fachjury übernimmt und nach jeder Etappe wechseln kann. Außerdem gibt es die Gelbe Rückennummer, die nach Mannschaftswertung vergeben wird und die Fahrer des besten Teams tragen. Früher gekennzeichnet durch das Tragen gelber Mützen, ist dies seit Helmpflicheinführung nicht mehr möglich.

Preisgeld:

Seit dem ersten Rennen 1903 werden den Radprofis Preisgelder ausgelobt. Waren es 1903 insgesamt 20.000 Francs, waren es 2004 bereits insgesamt rund 3 Millionen Euro, davon allein 400.000 Euro für den Gesamtsieger.

Geschwindigkeit:

Im Laufe der Jahre nahm die Durchschnittsgeschwindigkeit der Rennen kontinuierlich zu. Während die erste Tour mit durchschnittlich 25,67 km/h absolviert wurde, überschritt sie 1930 erstmals die 30 km/h Grenze und 1956 die von 35 km/h. 2005 erreichte Lance Armstrong mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 41,65 km/h eine Rekordgeschwindigkeit, diese Leistung wurde jedoch aufgrund nachgewiesenem Dopings annulliert. Bei Bergabfahrten erreichen die Profis eine Höchstgeschwindigkeit von über 100 km/h.

Doping:

Während der Tour de France 1998 erlebte der Radsport einen schweren Schlag: Im Spitzenteam Festina wurde eine systematische Dopingpraxis aufgedeckt, nachdem bei einem Betreuer der Mannschaft große Mengen unerlaubter Substanzen gefunden worden. Die „Festina-Affäre“ war jedoch nur die Spitze des Eisbergs: Bekannte Gesichter des Radsports wie Lars Ullrich und Lance Armstrong wurden des Dopings überführt. Auch heute – trotz schärfsten Kontrollen – gelingt es schwarzen Schafen immer noch, mit illegalen Substanzen im Blut ins Rennen zu starten. Ein Skandal, der den Radsport nicht los lässt.

Peloton:

Bezeichnung eines geschlossenen Hauptfelds von Fahrern, das besonders der gegenseitigen Ausnutzung des Windschattens dient – ein wichtiger Aspekt im Rennen. Im weiteren Rennverlauf gibt es Ausreißversuche einzelner Fahrer und kleiner Gruppen, die versuchen sich nach vorn abzusetzen.

Verpflegung:

Die Verpflegung der Fahrer ist extrem wichtig, da sie bei schweren Bergetappen bis zu 10.000 Kilokalorien verbrauchen können. Auf jeder Etappe gibt ein bis zwei Verpflegungszonen, an denen die Mitarbeiter der Teams Verpflegungsbeutel reichen dürfen – diese werden vorab von der Tourorganisation genehmigt. Nahrung und Getränke die Zuschauer anbieten, dürfen die Radrennprofis auf eigene Gefahr nehmen. Bis 20 km vor Zieleinfahrt dürfen außerdem Getränke und Esswaren aus dem Teamfahrzeug gereicht werden.

Popkultur:

Die deutsche Elektronikband Kraftwerk veröffentlichte 1983 die Singe „Tour de France“ – Ralf Hütter und Florian Schneider-Esleben, die Köpfe der Band,  gelten als Radsportfanatiker. Zur Tour de France 2003 brachte Kraftwerk sogar ein Konzeptalbum heraus. Queenschrieben 1978 den Song „Bicycle Race“ – inspiriert durch das Vorbeifahren des Tourtross an ihrem Aufnahmestudio in Montreux. Der Dokumentarfilmer Pepe Danquart begleitete während der Tour de France 2003 Erik Zabel und Rold Aldag; es entstand der Film „Höllentour“. Sehenswert ist auch die Dokumentation „100 Jahre Tour de France“ von Andreas Wilde.

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